Letzte Woche hatte ich ja erzählt, dass wir am Sonntag abend noch in die Blinde Kuh gehen. Es war wirklich ein tolles Erlebnis. Irgendwie hat man dauernd das Gefühl, dass sich die Augen irgendwann an die Dunkelheit gewöhnen und man irgendwelche Umrisse erkennen kann. Aber dem ist eben nicht so. Das einzige, was wir in diesem stockdunklen Restaurant erkennen konnten, war ein klitzekleiner Streifen, an dem die abgeklebten Fenster die Sonne nicht ganz aussperrten. Aber auch den konnten wir nur sehen, wenn wir nicht direkt draufschauten. Das hat ja damit zu tun - wenn ich mich recht erinnere -, dass man im Zentrum der Regenbogenhaut weniger hell-dunkel-Rezeptoren hat, als rundherum. Wenn man also ein schwaches Licht besser sehen möchte, muss man ein bisschen daneben ins Dunkel starren, und schon taucht der Lichtschimmer auf.
Leider hat uns das Essen nicht ganz so gut geschmeckt, aber da wir von einem Kollegen gehört haben, dass er bei allen drei Besuchen super gegessen hat, haben wir wohl einfach einen schlechten Tag des Kochs erwischt. Wir werden es irgendwann noch einmal versuchen. Dann schaue ich aber, dass meine Mutter auch mitkommen kann.
Gestern morgen waren wir an der Mettmenhaslisee- Putzete. Die Tauchgruppe des Stingray Divecenters organisierte diese Reinigungsaktion im Rahmen des International Cleanup Day des Project AWARE von PADI. Mein Freund und ein Kollege von ihm waren als Taucher dabei, und da ich auch gerne ein bisschen an die frische Luft wollte, begleitete ich ihn mit der Fotokamera. Der unter Naturschutz stehende See (der, wie ich gelesen habe, nur als See durchgeht, wenn man die kleinen umliegenden Seen im Riet dazuzählt) sieht zwar idyllisch aus, muss aber leider unter den hier einigermassen tief fliegenden Flugzeugen und der nahen Zuglinie ein bisschen leiden. Und wie wir im Laufe der Aktion gemerkt haben, muss er auch unter den Menschen
leiden, die hier ihren Abfall loswerden. Nachttöpfe, alte Hausversicherungsnummern, Autopneus, Cola- und Bierflaschen, Flossen und Taucherbrillen, ein - wahrscheinlich ferngesteuertes - Spielzeugschiff, Frauenstrümpfe... Was die Taucher da nicht alles rausfischten! Der spannendste Fang
des Tages war wohl die Schatztruhe. Diese kleine Holztruhe trommelte in kürzester Zeit alle neugierigen Anwesenden zusammen und verschiedene Vorschläge für den Inhalt wurden herumgereicht. Geld, Gold, Diamanten? Doch schon nach einem kurzen Blick auf die Truhe beginnt einer der Anwesenden breit zu grinsen, und nach einem Kontrollblick ins Innere der Truhe nennt er weiterhin grinsend den Besitzer. Es handelt sich um einen Weinhändler, der von der Geschichte des Jahrtausende alten Weines gehört hat, den man auf einem gesunkenen Schiff im Meer gefunden hat. Damals wurde schnell bekannt, dass dieser Wein sehr von seiner Zeit im Wasser profitiert hatte und dadurch zum unbeschreiblichen Genuss geworden war. Nun wollte dies der Weinhändler wohl ebenfalls ausprobieren, jedoch scheint er das Prinzip nicht ganz verstanden zu haben, da sich in dieser Truhe kein mit Kork verschlossener Wein befand, sondern "Deckeliwii". Da dies eindeutig nicht als Abfall bezeichnet werden konnte, wurde die Truhe an den Fundort zurückgebracht. Der Weinhändler hat wohl nicht damit gerechnet, dass Taucher die Truhe finden, denn der See ist normalerweise für Taucher gesperrt. Nur für diese Reinigungsaktion wird jeweils eine Bewilligung erteilt, da sie ja im Sinne des Naturschutzes durchgeführt wird.
Auch nächstes Wochenende steht bei uns ein Taucherlebnis auf dem Programm: Einige Mitglieder der Tauchgruppe fahren an den Fernsteinsee, und auch dahin werde ich die Gruppe mit der Fotokamera begleiten.
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